Evidenzgrundlage
Diese Seite ist ungewöhnlich für einen Anbieter. Sie führt zuerst die Belege auf, die gegen betriebliche Gesundheitsprogramme sprechen. Wir tun das, weil Ihr Betriebsarzt und Ihr Betriebsrat diese Studien kennen — und weil ein Angebot, das sie ignoriert, im ersten kritischen Gespräch auseinanderfällt.
Die unbequemen Befunde
Das ist keine Zuspitzung, sondern das Ergebnis der größten verfügbaren Untersuchungen.
Randomisierte Studie mit 4.834 Beschäftigten. Ergebnis: Das Programm erhöhte dauerhaft die Screeningraten — und sonst nichts. Keine Effekte auf Gesundheitsausgaben, Verhalten, Produktivität oder Fehlzeiten.
Der entscheidende Nebenbefund: Teilnehmende waren schon im Jahr vor der Intervention gesünder und günstiger als Nichtteilnehmende.
Jones, Molitor & Reif, Quarterly Journal of Economics, 2019
Cluster-randomisierte Studie mit über 32.000 Beschäftigten an 160 Standorten. Nach 18 Monaten nur höhere selbstberichtete Bewegung. Nach drei Jahren: keine Effekte auf Kosten, klinische Messwerte oder Arbeitsleistung.
Song & Baicker, JAMA, 2019; Folgeauswertung Health Affairs, 2021
Auswertung von 46.336 Beschäftigten in 233 Organisationen. Teilnehmende an Achtsamkeitstraining, Resilienzkursen, Coaching und Wellbeing-Apps standen nicht besser da als Nichtteilnehmende.
Fleming, Industrial Relations Journal, 2024. Einschränkung: Querschnittsdesign, keine randomisierte Studie.
Stammt aus einer Zusammenfassung von Beobachtungsstudien von 2010. Sie gilt heute als methodisch überholt, weil sie den Selektionseffekt maß: Wer freiwillig teilnimmt, war schon vorher gesünder.
Die Konfidenzintervalle der Illinois-Studie schließen 84 % der zuvor publizierten Schätzungen aus.
Baicker, Cutler & Song, Health Affairs, 2010 — hier als widerlegte Referenz aufgeführt
Die eine Ausnahme
Das Peterson Health Technology Institute ist die einzige unabhängige Instanz, die digitale Gesundheitslösungen systematisch nach Wirksamkeit und Kosten bewertet — vergleichbar einer Nutzenbewertung.
Von sechs bewerteten Feldern fiel das Urteil fünfmal negativ aus. Positiv war nur eines: fachkraftgeführte muskuloskelettale Versorgung. Dort waren die Ergebnisse vergleichbar mit einer Präsenz-Physiotherapie, bei netto sinkenden Ausgaben.
Der aufschlussreichste Einzelbefund: Ein und derselbe Anbieter wurde bei Diabetes und Bluthochdruck negativ, bei muskuloskelettalen Beschwerden positiv bewertet — mit derselben App. Der Unterschied lag nicht in der Technik, sondern darin, ob eine Fachkraft mit Behandlungsbefugnis tatsächlich behandelt.
Peterson Health Technology Institute, Assessments 2024. Die Bewertungen sind öffentlich einsehbar.
Digital ist der Kanal. Nicht die Wirkung.
Das ist der Grund, warum bei uns eine ärztliche Sprechstunde am Anfang steht und eine Fachkraft die Umsetzung führt — und die App nur dokumentiert.Unsere Einstufung
Wir stufen jede Maßnahme nach Evidenzstärke ein. Angeboten wird ausschließlich Stufe A und B. Stufe C nur als klar gekennzeichnete Begleitleistung. Stufe D und E gar nicht.
| Maßnahme | Stufe | Einordnung | Bei uns |
|---|---|---|---|
| Strukturiertes Krafttraining | A | Konsistente Belege für Kraft- und Funktionsgewinn in allen Altersgruppen | Kernbestandteil |
| Bewegungstherapie bei Rückenschmerz | A | Leitlinienempfohlen, wirksam zur Rückfallvermeidung | Kernbestandteil |
| Fachkraftgeführte MSK-Versorgung | A | Einziger positiver unabhängiger Befund im Corporate Health | Kernbestandteil |
| Handkraft als Funktionsmarker | A | Etablierter, sehr günstiger Prädiktor | Messgröße |
| Kardiorespiratorische Fitness | A | Sehr starker Prädiktor — als Messgröße, nicht als Intervention | Messgröße |
| Blutdruck- und Lipidscreening | A | Wirkung entsteht bei ärztlicher Konsequenz, nicht bei Beratung | Executive-Baustein |
| Tabakentwöhnung | A | Eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt | Vermittlung |
| Digitale Therapie bei Schlaflosigkeit | A | Gut belegt — über verordnungsfähige Anwendungen | Vermittlung, kein Eigenbau |
| Körperzusammensetzung | B | Als Verlaufsmarker sinnvoll, als Intervention wirkungslos | Messgröße |
| Ergonomieberatung isoliert | C | Für sich genommen schwacher Effekt auf Fehlzeiten | nur ergänzend |
| Steh-Sitz-Arbeitsplätze | C | Reduziert Sitzzeit, klinischer Nutzen unklar | nur ergänzend |
| Betriebliche Achtsamkeitsprogramme | C | Kleine Effekte, in der größten Stichprobe kein Vorteil | nicht im Angebot |
| Ganzkörper-MRT bei Beschwerdefreien | E | Radiologische Fachgesellschaften raten ab; rund 16 % falsch-positive Befunde | nicht im Angebot |
| Genetische Tests im Betrieb | E | Im Beschäftigungskontext rechtlich unzulässig | nicht im Angebot |
| Bestimmung des „biologischen Alters“ | E | Messwiederholbarkeit dokumentiert problematisch, keine Handlungskonsequenz | nicht im Angebot |
| Longevity-Supplemente | E | Kein Wirksamkeitsnachweis, teils lebensmittelrechtlich unzulässig beworben | nicht im Angebot |
Stufen: A = gut belegt und praktisch relevant · B = wahrscheinlich wirksam · C = gemischte oder unzureichende Belege · D = experimentell · E = nicht belegt, irreführend oder riskant. Diese Einstufung ist unsere eigene Bewertung der Studienlage und wird jährlich überprüft. Wir legen sie offen, damit Ihr Betriebsarzt sie prüfen kann.
Statt eines ROI-Versprechens
Wenn zwei große randomisierte Studien zeigen, dass betriebliche Programme meist nichts bewirken, ist die einzig seriöse Antwort: messen statt behaupten.
Die wichtigste Kennzahl — und die, die sonst niemand ausweist. Wir messen die Teilnahme innerhalb der identifizierten Risikogruppe, nicht über die Gesamtbelegschaft. Nur so lässt sich der Selektionsfehler erkennen, an dem klassische Programme scheitern.
Identische Tests in Woche 0, 12 und 24. Beweglichkeit, Rumpfkraft, Handkraft, schmerzbezogene Funktionsfragebögen. Individuell für den Teilnehmer, aggregiert für Sie.
MSK-bedingte Fehltage aus Ihren eigenen HR-Daten, aggregiert. Dauer bis zur Rückkehr. Rückfallquote nach zwölf Monaten. Diese Daten kommen von Ihnen — wir erheben sie nicht.
Mit offengelegten Annahmen und als Modell gekennzeichnet. Sie sehen jede Eingangsgröße und können jede davon bestreiten. Was Sie von uns nicht bekommen, ist eine Zahl ohne Herleitung.
Geben Sie diese Seite Ihrem Betriebsarzt oder Ihrer arbeitsmedizinischen Betreuung. Wenn dort fachlich etwas nicht standhält, wollen wir es wissen — und korrigieren es.